Lies das Märchen, das Nelly liebt
Baba Jaga
Ein Mädchen wird in den dunklen Wald geschickt, ein Haus, das auf Hühnerbeinen steht, und die stille Klugheit, die sie wieder nach Hause bringt.
Es war einmal ein Mädchen namens Wassilissa, das ihre Stiefmutter nie geliebt hatte, und deren Stiefschwestern ihr die Arbeit schwerer machten als nötig. Eines Abends schickte die Stiefmutter sie tief in den Wald, mit einem Auftrag ohne wirklichen Sinn, wohl wissend, dass jeder im Dorf den Ruf dieses Waldes kannte: Dort lebte Baba Jaga, und niemand, der ihre Hütte besucht hatte, kehrte je unverändert zurück.
Die Hütte auf Hühnerbeinen
Wassilissa lief stundenlang, bevor sie sie fand: eine Hütte, die auf Beinen wie die eines riesigen Huhns stand, sich langsam um sich selbst drehte und von einem Zaun aus Knochen umgeben war. Baba Jaga selbst kehrte fliegend in einem großen Mörser nach Hause zurück, lenkte mit dem Stößel und wischte ihre Spuren mit einem Besen hinter sich weg.
“Warum bist du gekommen?”, fragte die alte Frau. Wassilissa, eher ehrlich als ängstlich, erklärte, sie sei geschickt worden, um Feuer zu holen, weil ihre Stiefmutter das Herdfeuer hatte ausgehen lassen.
Baba Jaga willigte ein, ihr Feuer zu geben, doch nur, wenn Wassilissa vorher für sie arbeitete. Sie gab dem Mädchen eine Nacht voller unmöglicher Aufgaben auf: guten Weizen vom schlechten trennen, die ganze Hütte allein putzen, bis zum Morgen eine anständige Mahlzeit kochen.
Eine Puppe in der Tasche
Was Baba Jaga nicht wusste: Wassilissas verstorbene Mutter hatte ihr vor ihrem Tod eine kleine Puppe geschenkt und ihr gesagt, sie solle sie immer bei sich tragen und ihr etwas zu essen geben, wann immer sie in Schwierigkeiten sei. In jener Nacht fütterte Wassilissa die Puppe, die still zum Leben erwachte und den Weizen sortierte und die Böden fegte, während Wassilissa schlief: nicht durch List, sondern durch das stille Geschenk, das ihre Mutter ihr hinterlassen hatte.
Am Morgen fand Baba Jaga jede Aufgabe erledigt vor. Beeindruckt, und ohne Lust, ein Mädchen bei sich zu behalten, das ihr auf diese Weise ebenbürtig war, gab sie Wassilissa einen Totenschädel mit brennenden Augen auf einem Stock, um ihr den Weg nach Hause zu leuchten und als das Feuer zu dienen, um das sie gebeten hatte.
Die Heimkehr
Wassilissa trug den glühenden Schädel durch den Wald bis zum Haus ihrer Stiefmutter. Sein Licht, wie sich zeigte, verbrannte alles Böse, das ihr dort angetan worden war. Sie überlebte den Wald nicht durch Stärke, sondern durch die stille, aufmerksame Güte, die ihre Mutter ihr hinterlassen hatte: der Beweis, in der Geschichte selbst, dass Sanftmut länger währen kann als Grausamkeit.
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