Lu Lies das Märchen, das Lu liebt

Ein Volksmärchen aus Deutschland

Schneewittchen

Der Wunsch einer Königin, ein sprechender Spiegel und ein Mädchen, das bei sieben kleinen Freunden ein Zuhause findet: eines der ältesten Märchen, das die Brüder Grimm je aufgeschrieben haben.

A parent and child reading together
Eine Anmerkung zu dieser Geschichte. Die Brüder Grimm veröffentlichten „Sneewittchen“ 1812 in der allerersten Ausgabe ihrer Sammlung deutscher Volksmärchen, die sie von Erzählern aus dem ganzen Land zusammengetragen hatten. Ältere Fassungen enden hart für die eifersüchtige Königin; die hier erzählte Version bleibt, wie der Rest unserer Sammlung, für die Gutenachtgeschichte bewusst milder.

Vor langer Zeit saß eine Königin mitten im Winter an einem offenen Fenster und nähte, und während draußen Schnee fiel, stach sie sich in den Finger, sodass drei Tropfen Blut auf den Schnee fielen. Beeindruckt davon, wie das Rot auf dem Weiß wirkte, wünschte sie sich eine Tochter mit Haut so weiß wie Schnee, Lippen so rot wie Blut und Haaren so schwarz wie der Fensterrahmen. Ihr Wunsch wurde erfüllt, und das Mädchen wurde Schneewittchen genannt, auch wenn die Königin nicht mehr erlebte, wie sie heranwuchs.

Der König heiratete erneut, und die neue Königin war schön, aber eitel, und besaß einen Spiegel, der jede Frage stets ehrlich beantwortete. Jeden Morgen fragte sie ihn, wer die Schönste im ganzen Land sei, und jeden Morgen nannte er ihren Namen, bis zu dem Tag, an dem Schneewittchen sieben Jahre alt wurde und sich die Antwort änderte. Da sie es nicht ertragen konnte, rief die Königin einen Jäger und befahl ihm, das Mädchen in den Wald zu bringen und nie wieder zurückkehren zu lassen.

Das Mitleid des Jägers

Der Jäger führte Schneewittchen tief in den Wald, doch als der Augenblick kam, brachte er es nicht über sich, zu tun, was die Königin verlangt hatte. Er sagte ihr, sie solle laufen und nie zum Schloss zurückkehren, und um die Königin zufriedenzustellen, brachte er stattdessen das Herz eines jungen Rehs mit und ließ sie glauben, die schreckliche Aufgabe sei erledigt.

Schneewittchen lief, bis der Wald dunkel wurde, und stieß schließlich auf ein kleines Häuschen, ordentlich, aber leer, mit sieben kleinen Betten darin. Zu müde, um weiterzugehen, probierte sie von jedem der sieben Teller auf dem Tisch ein wenig und schlief auf drei zusammengeschobenen Betten ein. Als die sieben Zwerge, die dort wohnten, von den Bergen nach Hause kamen, fanden sie sie schlafend vor und ließen sie, gerührt von ihrer Geschichte, nachdem sie erwacht war und alles erzählt hatte, bleiben, um den Haushalt zu führen, während sie tagsüber in den Minen arbeiteten.

Die alte Frau vor der Tür

Zurück im Schloss befragte die Königin erneut ihren Spiegel und erfuhr, dass Schneewittchen wohlauf in einem Häuschen jenseits der sieben Berge lebte. Als alte Hausiererin verkleidet, machte sie sich auf den Weg dorthin und bot ihr durch das Fenster einen wunderschönen Apfel an, auf der einen Seite rot, auf der anderen blass, wobei sie die vergiftete Hälfte für sich behielt und die unschädliche selbst aß, um zu beweisen, dass keine Gefahr bestand.

Schneewittchen, die zwar gewarnt worden war, niemanden hereinzulassen, aber nicht glaubte, dass eine so freundliche alte Frau ihr schaden könnte, biss in den Apfel und fiel sofort in einen Schlaf, der so tief war, dass er wie der Tod wirkte. Als die Zwerge nach Hause kamen und sie nicht wecken konnten, weinten sie und konnten es nicht über sich bringen, sie zu begraben, also legten sie sie in einen gläsernen Sarg auf einer Lichtung, wo sie weiter über sie wachen konnten.

Das Erwachen auf der Lichtung

Die Jahreszeiten zogen vorüber, und ein junger Prinz, der durch den Wald ritt, entdeckte den gläsernen Sarg und das Mädchen darin, das einfach nur zu schlafen schien. Er fragte die Zwerge, ob der Sarg zu seinem Schloss gebracht werden dürfe, damit ihr endlich die Ehre erwiesen werde, die sie verdiente, und sie stimmten zu. Als seine Männer ihn über einen umgestürzten Ast hoben, geriet der Sarg ins Wanken, und das Stück vergifteten Apfels, das in Schneewittchens Kehle steckengeblieben war, löste sich. Sie öffnete die Augen.

Sie kehrte zunächst zu dem kleinen Häuschen zurück, um sich bei den sieben Zwergen zu bedanken, die sie beschützt hatten, bevor sie weiter zum Schloss zog, um ein neues Leben zu beginnen. Die Königin wiederum war in jenem Königreich nie wieder willkommen, und Schneewittchen sagte oft, ein Zuhause müsse kein Schloss sein, sondern nur Menschen haben, die freundlich zu einem sind, ohne einen Grund dafür zu brauchen.

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Schwäbisches Schlaflied

Spiele diese Melodie leise, während du Schneewittchen vorliest: ein traditionelles, live gespieltes Schlaflied aus Schwaben, im Süden Deutschlands.

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